„Shooting Dogs": Eine wahre Geschichte

 

 

Am 17. Mai 2007

kommt ein BBC – Film in die deutschen Kinos,

der über den Völkermord in Ruanda berichtet.

Er wurde im Jahr 2004 an der seinerzeit von den Salesianern Don Boscos betreuten Ecole Technique Officielle in Kigali unter Beratung der Salesianer gedreht. Die Darstellung ist sehr authentisch.

„Shooting Dogs“ ab dem 17. Mai 2007 läuft mit 30 Kopien in den deutschen Kinos an. Der Filmverleih und die Produktionsfirma unterstützen die lokale Pressearbeit und Aktionen für den Wiederaufbau in Ruanda.

Ruanda im April 1994: Nachdem der Präsident Ruandas auf dem Rückflug von Friedensversammlungen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, entbrennt in kürzester Zeit ein Bürgerkrieg, welcher sich als ungleicher Kampf zwischen Tutsi und Hutu herauskristallisiert und mit dem größten Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg endet. Ca. 3.000 Tutsi suchen in der Berufsschule, „Ecole Officielle Technique" in Kigali, die gleichzeitig als Stützpunkt dient, Zuflucht vor den sie verfolgenden Hutu -Mörderbanden.

Pater Christopher Joe, ein englischer Lehrer, kümmert sich um die Flüchtlinge, während die UN‑Soldaten mangels Mandat das Morden in der Umgebung der Schule geschehen lassen.

„Was riskierst Du, um ein Leben zu retten?"

Eindrucksvoll schildert der Film die Frage nach der Verantwortung der westlichen Nationen, aber auch eines jeden Einzelnen an dem Massenmord in Ruanda, der innerhalb weniger Monate 800.000 Menschen – fast 1/8 der Bevölkerung Ruandas - das Leben kostete.

  „Shooting Dogs" zeichnet sich durch ein hohes Maß an Authentizität aus

Die Geschehnisse in der Schule beruhen auf historischen Tatsachen. Der Film wurde an einem Originalschauplatz - der von der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos geführten „Ecole Officielle Technique" gedreht. An den Dreharbeiten waren Salesianer sowie überlebende ehemalige Schüler beteiligt. Letztere wurden 1994 von den Soldaten schutzlos in der Schule zurückgelassen und den Hutu-Milizen ausgesetzt. Durch ihre Geschichten und Zeugenaussagen gewinnt der Film an Authentizität.

Die Salesianer Don Boscos in Ruanda

Die Salesianer Don Boscos und ihre Schüler haben den Genozid an verschiedenen Orten im Land miterlebt. In ihren Kirchen und Schulen haben sie unter Einsatz ihres Lebens versucht, den Schutz suchenden Menschen Zuflucht vor den Mörderbanden zu bieten.

Auch heute noch leidet das Land unter den Folgen des Völkermordes. Durch die Bildungsarbeit, die die Salesianer in ihren Schulen und Berufsschulen betreiben, sind sie in besonderem Maße an der Aufarbeitung der Kriegsereignisse und an der gesellschaftlichen Versöhnung beteiligt.

 

Filmbesprechung

 

„Was riskierst Du, um ein Leben zu retten?“

 

so lautet die Frage im Untertitel zum Film „Shooting Dogs“ von Michael Caton-Jones über den Völkermord in Ruanda im Jahre 1994, bei dem 800.000 Menschen den Tod fanden.

 

Pater Christopher (John Hurt) berät mit Kapitän Charles Delon (Dominique Horwitz)
über den Schutz der Flüchtlinge auf dem Gelände der Mission.

 

„Shooting Dogs“ betrachtet den Völkermord mit den Augen europäischer Protagonisten. Joe Connor (Hugh Dancy), ein Volontär und Lehrer an der „Ecole Technique Officielle“ in Kigali, möchte durch seinen Einsatz etwas für die jungen Menschen Ruandas bewirken. Als in den ersten Apriltagen 1994 Familien der Auszubildenden und Schüler aus der Gruppe der Tutsi in der Schule Schutz vor den sie verfolgenden Hutus suchen, hoffen sie auf die Intervention der ebenfalls auf dem Gelände stationierten UN-Soldaten unter Leitung ihres belgischen Komman­danten Capitaine Charles Delon (Dominique Horwitz). Die „nur zur Überwachung eines längst nicht mehr existierenden Friedens“ entsandten Blauhelmsoldaten sichern durch ihre Präsenz nur anfangs Schutz vor den Keulen- und Buschmesser schwingenden Hutu - Mörderbanden. Mehr Schutz bietet die Achtung, die Pater Christopher (John Hurt) als Leiter der Berufsschule und Seelsorger sich durch seine Arbeit über viele Jahre erworben hat.

Die UN-Soldaten setzen, selbst als die Morde eskalieren, gegen die Angreifer keine Waffen ein, da sie sich nur im Falle eines Angriffs verteidigen dürfen. Als Hunde beginnen, die vor der Mis­sionsschule liegenden Leichen anzufressen und die Soldaten auf diese schießen wollen (shoo­ting dogs), bricht aus dem verzweifelten Pater Christopher heraus die Frage: Wo verschanzen wir uns hinter Befehlen was sind wir bereit, zu riskieren, um ein Leben zu retten?

Auch die Medien bieten den Verfolgten keinen ausreichenden Schutz, zumal sich der Bericht einer BBC Reporterin, die sich ebenfalls in die Schule flüchtete, aus technischen Gründen nicht übermitteln lässt. Das Gefühl der Verlassenheit verstärkt sich bei den afrikanischen Flüchtlingen auf dem Gelände der Mission, als französische Truppen nur die Weißen vom Gelände der Schule evakuieren und die afrikanischen Flüchtlinge schutzlos zurück lassen.

 

Als Joe (Hugh Dancy) trotz seiner weißen Hautfarbe fast von Milizionären getötet wird
erfährt er die Machtlosigkeit seines Versuches, zu helfen.

 

 

Auch der idealistische Volontär Joe kann sein Versprechen nicht halten, der ihn bewundernden Schülerin Marie (Claire-Hope Ashitey) und ihrer Familie selbst in der größten Not beizustehen. Rationale Gründe und die Angst vor dem Tod veranlassen ihn, sich ebenfalls evakuieren zu lassen. Nur Pater Christopher bleibt bei seiner ihm anvertrauten Gemeinde. Um Mut zu machen feiert er mit den Flüchtlingen die Eucharistie, bevor die Blauhelme abgezogen werden. Ein klei­nes Zeichen der Hoffnung gegen eine sich auftürmende Übermacht des Bösen.

Shooting Dogs wurde an der von den Salesianern Don Boscos geleiteten Ecole Technique Offi­cielle in Kigali gedreht. In den Leitfiguren von Pater Christopher, des Volontärs Joe sowie der Schülerin Marie werden zahlrei­che Erlebnisberichte verarbeitet. Michael Caton-Jones erzielt dadurch eine große Wirklichkeits­nähe, aber auch eine gewisse Stilisierung in idealtypische Rollen. Die hohe schauspielerische Leistung von Hugh Dancy, und John Hurt kann jedoch eine holzschnittartige Zeichnung der Rol­len überwinden und lässt auch das moralische Dilemma nicht nur der unmittelbar Beteiligten, sondern auch der Zuschauer vor einem Crescendo der Gewalt besser verstehen. Wir alle sind angesichts von Not, Unterentwicklung und Konflikten in so vielen Teilen dieser Erde fast täglich herausgefordert, Antwort zu geben auf die Frage: „Was riskiert Du, um ein Leben zu retten?“

Die seinerzeit von den Salesianern Don Boscos geleitete „Ecole Technique Officielle“ in Kigali ist heute eine staatliche Schule. Der Salesianerorden betreut unter Leitung des kroatische Pa­ters Danko Litric eine berufliche Ausbildung in Kigali-Gatenga für 300 junge Menschen. Wäh­rend des Genozids war er Pfarrer in Musha, wo sich mehr als 600 Menschen auf das Gelände der Kirche flüchteten. Während er und ein Mitbruder im Raum der Sakristei eingeschlossen wurden, töteten Hutu - Milizen in der Kirche mehr als 600 Menschen mit der Machete. Es dauer­te zwei Tage, bis französische Truppen die beiden Patres befreiten. Sein ruandischer Mitbruder Pater Jacques Ntamitalitsu, einer der ersten afrikanischen Salesianer, wurde nach dem Geno­zid im benachbarten Bujumbura (Burundi) noch in Folge ethnischer Unruhen getötet.

Die Salesianer Don Boscos unterstützen die berufliche Ausbildung von jungen Menschen in Kigali-Gatenga, zum Beispiel durch die Finanzierung einer Schulspei­sung und Beihilfen zu den Gehältern von Handwerksmeistern. Die berufliche Ausbildung ist eingebettet in eine ganzheitliche Erziehung, um junge Menschen stark machen und ihre Per­sönlichkeit zu entwickeln. Angesichts der unter der Oberfläche immer noch existierenden Spannungen ist diese ganzheitliche Persönlichkeitsbildung der beste Weg zum Frieden. Die Versu­chung, mit wirtschaftlicher, politischer oder militärischer Gewalt die vermeintlichen Vorteile der eigenen Gruppe zu sichern, erfordert nicht nur in Ruanda sondern weltweit Zivilcourage und eine Strategie der kleinen Schritte auf dem Weg zu einer gerechten Entwicklung. „Shooting Dogs“ macht Mut, sich dabei auf die richtige Seite zu stellen.

 

SHOOTING DOGS
UK / Germany - 115 min
Verleih: timebandits films GmbH
Ab 17. Mai 2007 bundesweit im Kino
www.shootingdogs-derfilm.de